Sonntag, 1. April 2018

Lied der Weite. Von Kent Haruf

Lied der Weite
Lied der Weite. Von Kent Haruf.
Verlag Diogenes

Kent Haruf habe ich mit dem Roman "Unsere Seelen bei Nacht" kennen- und lieben gelernt. Leider ist er schon verstorben, deshalb können wir ihn nicht mehr live erleben. Diogenes hat ihn entdeckt und ins deutsche übersetzt.

Sein Tonfall, seine stille Betrachtung der Landbevölkerung, sein ungeschminkter Blick auf die nicht so sichtbaren, die einsamen, die ausgestoßenen, die merkwürdigen, die verlassenen, die brutalen ist deutlich, die Sprache klar und einfach, doch niemals zeigt der Zeigefinger nach oben, niemals moralisiert er.

Lied der Weite handelt von drei parallelen Geschichten; das Mädchen, das plötzlich schwanger ist, die zwei kleinen Buben, deren Mutter an Depressionen leidet, die schrulligen Bauernsöhne, die alleine die Landwirtschaft führen. Alle wohnen im selben Dorf. Sie haben  - noch - nichts miteinander zu tun. Ja, und die Lehrerin. Sie verwebt die Netze.

Ich finde, man sollte sich Kent Haruf nicht entgehen lassen. Er ist so schön zu lesen. So still und episch, so fein und gelassen.


Gleich besorgen im online-shop oder persönlich in den buchwelten.

Eure / Ihre Herta Emmer

Sonntag, 18. März 2018

Die beste Bande der Welt

Die beste Bande der Welt
 
Saskia Hula: Die beste Bande der Welt.
Nilpferd in Residenz.
Illustrationen von Ina Hattenhauer

Dieses Buch hat mein Herz erobert. Es ist die Geschichte von Oskar, der zu keiner Bande gehört. Oskar beginnt eine Bande zu gründen. Sie ist zuerst die kleinste Bande der Welt (sie besteht aus Oskar), aber dann ....

.... entwickelt sich eine famose Geschichte. Oskar sucht einen Geheimplatz, beginnt zu bauen und erregt die Aufmerksamkeit der anderen Kinder. Durch besondere Klugheit und List gelingt es ihm, die beste Bande der Welt zu gründen.

EIN PERFEKTES VORLESEBUCH!

Es funktioniert mit diesem besonderen verschmitzten Witz von Saskia Hula, die Herzen aller Menschen zu erobern. Auch Erwachsene (die schneller die List entdecken), lachen laut oder schmunzeln still in sich hinein.

Es ist auch ein PERFEKTES SELBSTLESEBUCH. Das Geschichte funktioniert mit ganz wenigen Worten, die Bilder, gezeichnet von Ina Hattenhauer, ergänzen wunderbar und sind entzückend.


Saskia Hula, eine meiner besonders geliebten Kinderbuchautorinnen versteht es einfach, sich in die Welt der Kinder einzufühlen und genau den Punkt zu treffen, das Thema, das sie beschäftigt. (Als Erwachsene braucht man bei diesen Geschichten oft ein bißchen länger - wie ich z. B. bei "Das größte Geheimnis der Welt" ;-))

Nun: Absolute Leseempfehlung!

Herzlichst
Herta


im online-shop sofort kaufen, im Geschäft sofort erhältlich

Donnerstag, 1. März 2018

Das Ministerium des äußersten Glücks

 
Das Ministerium des äußersten Glücks. Von Arundhati Roy, S. Fischer Verlag.

Arundhati Roys erstes Buch "Der Gott der kleinen Dinge" ist 1997 erschienen und sie wurde dafür gleich mit dem Man Booker Price ausgezeichnet.  10 Jahre später erscheint "Das Ministerium des äußersten Glücks", wofür sie in Österreich den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch erhält (2017: Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch, Hauptpreis für Das Ministerium des äußersten Glücks[9])

Das Buch steht im Bücherregal, Sichtpräsentation, d.h. es schaut mich an. Über Wochen. Ich spreche mit dem Buch: "Ich kann dich noch nicht mit heim nehmen.", das Buch schaut mich an. "Wenn die anderen gelesen sind, nehme ich dich mit heim", das Buch schaut mich an. Akzeptiert nicht. Lässt keine Ausreden zu.

Dabei habe ich wirklich, also ganz wirklich, einen sehr hohen Stoß, mehrere hohe Stöße um bei der Wahrheit zu bleiben. Das ist diesem Buch egal.

Man beugt sich einer höheren Gewalt. Ich lese das Buch in mehreren Tranchen. Fast wie einen Fantasy-Roman, erinnernd an ein Märchen. Da ich das erste Buch "Der Gott der kleinen Dinge" (shame on me!) nicht gelesen hatte, ist mir der Stil fremd, ich habe diese blumige Sprache, diese Verzweigungen, das Mäandern in verschiedenen Welten - oder doch nur in einer? - nicht erwartet.

Und lasse mich darauf ein. (Sie erinnert mich an Barbara Frischmuths "Die Kuh, der Bock, seine Geiß und ihr Liebhaber"). Ein sehr politisches Buch - und gleichzeitig geschrieben, wie unwahr. Die Leben, die Arundhati Roy uns hier vorsetzt wirken unwirklich, das kann es nicht geben. Indien so fremd, so anders, man riecht förmlich die Düfte der Räucherstäbchen und Gewürze.

Drei Teile umfasst es und jeder ist für sich allein schon ein Roman. Lange weiß man nicht, warum das Buch "Das Ministerium des äußersten Glücks" heißt, denn es gibt kein Ministerium im Buch und auch nicht wirklich Glück. Vielleicht kleine Momente des Glücks, aber sonst handelt das Buch von Ausgrenzung, Kastenwesen, Krieg (Kashmir), Verlogenheit, Verrat, Kälte, Verfolgung, staatlicher Willkür.

Der Krieg ist ein hartes Los. Und viele Jahre Krieg zerstören die Menschen, fügen unsägliches Leid zu. Und doch leben sie. Leben weiter, organisieren sich in ihren kleinen geschützten Welten. sei unpolitisch! wenn du überleben willst. Sei politisch! Gib dich nicht auf!

Ein sehr aktuelles Buch, das eine Region beschreibt, die derzeit nicht im Fokus der westlichen Medien ist. Dort ist noch immer Krieg? Und was bedeutet der Kashmir-Konflikt? Wie sieht ein Kastenwesen tatsächlich aus und ist es gerecht? Und wenn es nicht gerecht ist, was ist die Alternative? Und will jemand die Alternative? Und wenn ja, was sind das für Kräfte?

Das Buch löst keine dieser Fragen auf. Nur eine: wo Menschen noch ein Herz haben, können sie sich finden. Auch wenn das Ministerium unsichtbar ist, das Glück ist ein Vogerl (wie der Wiener sagt), ein schüchternes, verstecktes, aber existentes.

Das kommt vielleicht heraus. Aus diesem Roman. Was ist schon Glück. Was ist schon ein Leben. Und doch. Jeder Mensch zählt.


Eure Herta Emmer

Hier gleich im online-shop besorgen.
buchwelten.at

Dienstag, 13. Februar 2018

Das Päckchen. Von Franz Hohler

Das Päckchen
Das Päckchen.
Franz Hohler.
Roman. Verlag Luchterhand.

1. Franz Hohler kann man immer lesen.
2. Bücher aus dem Luchterhand-Verlag kann man auch immer lesen.

Beides bürgt für Qualität.

Natürlich habe ich es gleich mit nachhause genommen. Das Buch. Als es bei uns in der Buchhandlung angeliefert wurde. Und auch am selben Abend angefangen. Aber da waren noch ganz viele andere auf dem SUB. (Stoß ungelesener Bücher) und auf dem SAB (Stoß angelesener Bücher).

Begonnen habe ich im November. Fertiggelesen im Dezember. Jetzt schreibe ich darüber. Was sagt das über mich aus?
Erzählt habe ich es schon. Bei Radio OP, dem Minderheiten-Regionalradio, in dem ich jeden Mittwoch ein Buch vorstelle. Nur niedergeschrieben nie. Zum niederschreiben braucht der Mensch Muße. Muße bedeutet, sich verinnerlichen, konzentrieren, einlassen, Sätze kommen lassen.

Heute ist Faschingdienstag, ein Tag an dem ich zuhause bin. Im Burgenland ist Ausnahmezustand und ich lebe zurückgezogen. Das Geschäft ist geschlossen, weil Ausnahmezustand. Oberpullendorf ist eine große Faschingsgemeinde (ups -Stadt)

Aber jetzt einmal zum Punkt kommend. Das Päckchen. Von Franz Hohler.

Es beginnt mit einem Telefonat. Er, der Bibliothekar hört eine Telefonzelle läuten (ja, so etwas gibt es noch. Jedenfalls in der Schweiz. Auf Bahnhöfen). Er sieht sich um. Verwundert. Wen ruft eine Telefonzelle an? Niemand hebt ab.

Er weiß heute noch nicht, was ihn motiviert hat (oder welcher Teufel ihn geritten hat), zum Telefon zu gehen, den Hörer abzunehmen und "Hallo" zu sagen.

Eine alte Frau spricht mit ihm. Sie glaubt, er sei ihr Verwandter, er kann es ihr nicht ausreden und schon ist er drinnen in der Geschichte. Er muss wohl zu ihr gehen, es scheint ihr schlecht zu gehen. War das nicht die Verpflichtung jedes anständigen Menschen? Was würde seine Frau sagen? Er würde sich etwas überlegen.

Er, der brave Bibliothekar rutscht in eine Geschichte hinein, die ihn erstmals in seinem Leben dazu bringt, zu lügen, seiner Frau die Wahrheit zu vertuschen, in der Arbeit früher zu gehen. Verhalten, das er niemals an den Tag gelegt hat, ja das ihm völlig fremd war.

Es geht um ein geheimes Buch. Eine Originalschrift, gesucht von dubiosen Männern. Die Frau drückt es ihm in die Hand. "Nimm es und versteck es, es ist wertvoll". Es wurde vor vielen Jahren bei einer Bergtour gefunden, in einem Tagebuch beschrieben, der Besitzer würde ein reicher Mann werden. Doch wie Besitz eines verschollenen Originals erklären? Wie dies auch beweisen?

Parallel sinken wir in das Mittelalter ein. Wir begleiten einen Schreiberling. Den, der das Werk vollbracht hat. Die Zustände, die Lebenswelten. Liebe, Verrat, Krankheiten. Und kommen wieder hoch ins 21. Jahrhundert.

Doch wie die Geschichte wirklich ausgeht und was das mit Bergsteigen zu tun hat, kann ich leider nicht ausführlicher erzählen. Immerhin muss man die Spannung erhalten ...

Einfach zum Selberlesen.


Eure
Herta Emmer
Lesen tut gut.

Buch gleich im online-shop kaufen. und mehr erfahren unter www.buchwelten.at



Montag, 12. Februar 2018

Mitgift. Paul Michael Zulehner


Das Buch habe ich vor längerer Zeit schon gelesen und meinen Dank für den Text Paul Zulehner auch geschickt. Ich habe es über ein Jahr lang nicht veröffentlicht. Dabei ist es so gut. Vielleicht ein bißchen pubertär begeistert besprochen. Doch was schadet Begeisterung? Mut. Begeisterung. Tatendrang. Das ist doch, was wir alle wollen und brauchen. Auch Buchhändlerinnen.
Deshalb jetzt doch. Mitgift.

Sehr geehrter Herr Zulehner

Gerade habe ich das von Ihnen empfohlene Buch "Mitgift" fertig gelesen. Von Anfang an, gleich als Sie mir dieses überreichten, hatte ich das Gefühl, sie möchten mir etwas damit sagen. Einen Wink geben. Einen Hinweis liefern. Ein Rätsel entwirren.

Doch welches?

Natürlich vermutete ich unser vorangegangenes Gespräch. Wir saßen am Signiertisch und unterhielten uns, vielmehr tauschten wir Sätze aus, zwischen den vielen Bitten, Wortteilen, Hinweisen, Ermutigungen, Freudbekundungen, die seitens der Zuhörerschaft an Sie herangetragen wurden.

Doch blieb Zeit. Für den einen oder anderen Satz.

Wie sehr hätte ich meine Zunge in Zaum gehalten, hätte ich gewusst! Wiedereinmal ist mir meine offene Ahnungslosigkeit zuvor gekommen und ich habe mich ganz normal mit ihnen unterhalten. Nicht wirklich wissend. Mit wem! Welche Geschichte!

Dass ich es mit einem Kapazunder zu tun habe, das war mir schon klar. Immerhin hatte ich ihrem Vortrag gelauscht. und wie. Verdurstet und verhungert man doch. Hier. Immer wieder. Und ist froh, einen geistig gedeckten Tisch vor sich zu haben. Welch Labsal.

Nun. Ich bin eine Leserin. Ich darf mich wohl so nennen. Auf meinen Tischen, Nachtkastln, Fußböden, leeren Plätzen in verschiedenen Regalen stapeln sich Bücher. Solche die "angelesen" sind, solche die gelesen werden wollen, solche, die wirklich ganz sicher weitergelesen werden, solche die ausgelesen sind aber noch nicht besprochen. Ich lese für gewöhnlich an mehreren Projekten gleichzeitig. Hier ein Fachbuch, dort eine Zeitschrift, auf diesem Stapel Literatur in Form von Leseexemplaren (also vor Erscheinen), wieder an anderen Plätzen Bücher, die ich schon immer lesen wollte, AutorInnen, von denen ich mehr erfahren will. LieblingsschriftstellerInnen.

Mal wird das eine fertig, dann das andere. Und dazwischen gibt es solche, die ich öffne, und die dann diesen bestimmten Drang ausüben. Der bedeutet: ein Drängen in einem, wieder hinzugehen, früher ins Bett als sonst, weiterlesen, mehr erfahren wollen, nicht rausgehen aus dem Text, aus der Geschichte. Immer weiter. Mit zugefallenen Augen warten, ob sie nochmals aufgehen, damit man weiterlesen kann.

Nun. Ihr Buch "Mitgift" gehört zu dieser Sorte. Zuerst hatte ich noch das andere
Gott ist größer als unser Herz von Ihnen in der Hand, reingelesen, immerhin hatte ich mir das selbst ausgesucht, dort auf dem Büchertisch, um eine Signierung (Signatur ist es ja wohl nicht) zu bekommen. Lächelnd zuhause festgestellt, dass  schon ein Exemplar vor dem Bett liegt (vielmehr daneben. Der Sicherheitsstoß. Wenn er fällt, dann nicht mir auf den Kopf.)

Und dann zu "Mitgift" gegriffen. Ich könnte Ihnen nun unterstellen "hellsichtig" zu sein. Wahrscheinlich empathisch, lebenserfahren, das ganz sicher.

Ihre Erzählungen zu ihrem Leben. Kirchengeschichte pur. Am Anfang wie ein Geschichtsbuch. Für mich erhellend, vieles habe ich nur am Rande mitbekommen. Hier tun sich Erkenntnisse auf. Zusammenhänge werden klar. Politik! Macht!

Gleichzeitig ihr persönlicher Zugang. Wie wenig Sie über Ihre Erfolge und wie viel über ihre schmerzlich erfahrenen Ablehnungen schreiben. Tröstlich. Wir alle müssen lernen, mit Ablehnung umzugehen. Teil des "Chaos Lebens". Ihre Zitate. Mein Gott sind Sie gescheit!

Und die Berührung. Arbeiten und Lieben.
Mein Leitspruch. Arbeiten und Lieben sind eins.

Doch Hellseher.

Ich habe einen sehr feinen Mann gesehen. Fleißig. Wie hatte ich doch letztens erst mit jemandem besprochen, wie sehr Heimaufenthalte ein Kind zur Disziplin erziehen. Ich bin da wilder aufgewachsen. Die umfassende Bildung, die deutlich wird - ein Vorbild. Auch ein Lebensziel. Als Mensch wachsen. Reifen, vertiefen.

Die schönen Vergleichsbilder, die Sie zeichnen. Immer auch die Kunst zeigend. Lyrik, die Beziehung zu Musik. Die Kunst macht uns zum Menschen. Sie zeigt uns die Möglichkeit, dass es etwas Größeres gibt. Mehr als Alltag, mehr als Abwicklung und Funktionieren.

Und ihr Mut. Mutige Menschen müssen sich einer steiferen Brise stellen. Feigheit kann sich durchschummeln. Blutige Nasen haben Sie sich genug geschlagen. Und weitergegangen. Vorbildhaft.

Lieben. Gott ist der All-Eine. Die Liebe.

Ja, ich sehe vieles wie Sie. Die Menschen, die für Gott keine Kirche brauchen. Sie wissen mehr als ich. Ich kann nur erahnen, erfühlen, beobachten, sehen. Nur dieses kleine Umfeld wahrnehmen. Immer in der Gefahr, die Scheuklappen würden zu groß, die Selbstbezogenheit im Biotop zu undurchlässig, zu überzeugt. Das Bild von den "dicken Krugwänden". Eingeprägt.

Sie haben auch "aufgemacht". Nicht nur den beweisbaren, sichtbaren, belegbaren Teil der öffentlichen Arbeitswelt, auch - oft nur sehr am Rande erwähnt - den Zugang zur Mystik.
Zu einer Mutterwelt. Das empfangende und gebärende, das intuitive und fühlende. Wie schwer es ist, das anzunehmen in einer rationellen Welt, die nur messbares und beweisbares glaubt und für voll nimmt.

(Als Frau doppelt schwer, ist doch die Gefahr der "Hysterie-Ecke" zu groß - nämlich dort hineingestellt zu werden, nicht mehr als ganzer und denkender Mensch wahrgenommen zu werden. Der Kampf ist schnell verloren.)

Sie als Wissenschaftler! Und dann das! Wie Sie dem Skandal die Stirn bieten. Sie haben nichts zu verlieren? Schon zu viel verloren und damit die Freiheit, so zu sein? Ich werden noch mehr von Ihnen lesen.

Und Sie haben noch etwas aufgemacht. Ihre verborgene, intime Seite. Die Betroffenheit; gleichzeitig - und immer sofort - rauf auf den Feldherrenhügel, den Zusammenhang ansprechen, das gesellschaftspolitische Umfeld. Vom Kleinen ins Große schließen. Ja, so geht es vielen. Ja, dafür kämpfen ist wichtig. Dafür, dass Institution nicht kaputt macht. Dass Liebe viel größer ist, und niemals böse. Nicht der Teufel reitet uns. Gott schenkt uns. 

Was ich abschließend erwähnen möchte. Heute ist Donnerstag, der 2.3.2017. 23:21 Uhr. Vor genau einer Woche habe ich Sie kennengelernt, haben wir miteinander gesprochen.

So schnell geht es, wenn ein Buch, ein Text einen nicht mehr loslässt. (Obwohl dazwischen Fasching war, Verpflichtungen, Termine, Arbeitswelt.)

Ich danke Ihnen für die "Mitgift".

Herzlichst
Herta Emmer

www.buchwelten.at; buchwelten-online-shop.

Dienstag, 23. Januar 2018

Mörderisches Ufer. Ein Fall für Thomas Andreasson.

Mörderisches Ufer
Mörderisches Ufer. Der achte Fall von Thomas Andreasson.
Geschrieben von Viveca Sten. Verlag Kiepenheuer & Witsch.


Wie immer bei Viveca Sten ist es außerordentlich gefährlich mit einem Krimi anzufangen. Denn man hört nicht mehr auf. Was in Zeiten von hunderttausend Verpflichtungen und sonstigen Arbeiten, die man sich vorgenommen hat, nicht ideal ist. Denn alles bleibt unerledigt und unaufgearbeitet.

Ich habe Teile 1, 2, 3 und 4 gelesen, dann keines mehr angegriffen, aus oben genannten Gründen. Und auch, weil ich mir dachte, ich kann ja nicht nur über eine Autorin die ganze Zeit schreiben, weil ich sonst nichts gelesen habe.

Der ORF hat mich gebeten bei Guten Morgen Österreich drei Bücher zu beschreiben, eines davon sollte ein schöner Krimi sein. Nun, was macht Herta da? Sie greift zum neuesten Band von Viveca Sten. Das kann nur gut sein, beginnt zu lesen - und beendet das Buch nach einigen Stunden. In der Zeit ist Herta für die Umgebung nur bedingt ansprechbar. Man ist froh, dass es die Nacht gibt.

In diesem Band geht es um Kindesentführung und um Geldhinterziehung. Das bewährte Freundespaar Nora und Thomas begegnet uns wieder, in den letzten Jahren haben sich einige Änderungen ergeben. Kinder sind dazugekommen, Scheidungen wurden verarbeitet, Jobs gewechselt. Aber es macht gar nichts, dass man ein paar Bände ausgelassen hat, Viveca Sten erklärt schön in Nebensätzen, was passiert ist und wir sind voll im Bilde.

Ich bin natürlich ziemlich irregeführt worden. Dachte bei der Entführung an ganz andere Täter und Gefahren, als diejenigen, die es dann gewesen sind. Die Geschichte hat mich gefesselt, gehalten, und sie hat sich nicht ganz so schrecklich aufgelöst, wie ich vermutet habe, aber schrecklich genug.

Mehr kann ich vom Krimi leider nicht erzählen, da ich sonst die Spannung zerstöre.

Es ist ganz einfach. Hinsetzen, Buch aufschlagen, zu lesen beginnen, auf der letzten Seite aufhören, Buch zuschlagen, aufstehen, weiter machen.

Eure Herta Emmer

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Mittwoch, 3. Januar 2018

Raunächte

Raunächte
Raunächte.
Über Wünsche, Mythen und Bräuche - Märchen für Erwachsene
Von Isabella Farkasch. Verlag Goldegg

Schön erzählt sie die Geschichten über die Raunächte, die am 25. Dezember beginnen und am 6. Jänner enden.

Aber es gibt auch schon Weisungsnächte davor, der 21. Dezember als Wendetag und der 24. Dezember, die 0. Raunacht, Heilig Abend.

Mit diesem Buch durch diese Zeit "zwischen den Jahren" zu gehen, beruhigt, besinnt, gibt ihnen einen mystischen Anstrich, etwas, wonach wir in dieser Nicht-Zeit schon Sehnsucht haben. Rückschau, Vorausschau, Abschließen und Neu Beginnen sind die Themen von 25. Dezember bis 6. Jänner.

Wir wünschen uns doch gegenseitig alles Mögliche. Glück, Segen, Gesundheit, Erfolg. Wir schenken uns Glücksbringer; Kleeblätter, Sparschweine, Rauchfangkehrer, Hufeisen, Pilze. Und da sage mir einer etwas von Aberglaube!

Jedenfalls zahlt es sich aus, die Geschichten zu lesen, etwas abzusinken in die Märchenwelt, sich mit der Anderswelt auseinanderzusetzen. Wie lieben wir doch die Sagen von Merlin und den nordischen Göttern, die Geschichten von Tolkien, Herr der Ringe, von den Hobbits und Elfen, den Zwergen und Magiern, wie erfolgreich waren die Harry Potter-Bände, wo alles, was wir an mythischem Glauben haben schön verpackt wurde.

Da können wir uns doch auch dieses Buch zur Hand nehmen und die Geschichten von der Frau Holle, von Glück und Unglück, von alten Bräuchen und Erzählungen, genießen.

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Sonntag, 31. Dezember 2017

2017

2017 war für mich ein Jahr voller Überraschungen und unvorhersehbarer Wendungen.

Zuerst starteten wir die Umgestaltung in den buchwelten. Neue Möbel, neue Sortierung, neue Schwerpunktsetzung. Sie dauerte in der Erstphase 6 Wochen, die Fertigstellung und das Finetuning bis Ende Juni. Wie geplant. Schön ist es geworden und wir bekommen auch viel Lob von unseren Kunden.

Parallel organisierte ich GRENZENLOS LESEN 2017 mit viel finanzieller Unsicherheit und einem enormen Kraftaufwand durch ebendiese. Dann aber war es ein großer Erfolg, was für die Mühen entschädigt.

Politisch tat sich 2017 sehr viel. Zuerst die Krise der Grünen mit ihrer Jugend und der für mich vollkommen überzogenen Reaktion der Führungsspitze. Dann die Eiszeit zwischen Rot und Schwarz, Eva Glawischnig hatte über Ostern einen wilden Aussetzer, gerade als wir in den USA waren überschlugen sich die Ereignisse. Rücktritt Eva Glawischnigs, Rücktritt Mitterlehners, Neuwahlen zeigten sich am Horizont.

Dann die leidige Geschichte mit den Grünen Listenwahlen. Wieder nichts verstanden. Ich habe schon die Doppel/Dreifachspitze für keine gelungene Lösung gehalten.

Nun - und dann kandidierte ich für die Liste Peter Pilz. Da tat sich auf einmal ein Fenster auf, dass es möglich ist, mit vielen spannenden Leuten etwas auf die Reihe zu bekommen. Mit dem Einzug hatte ich immer gerechnet, mit den Nebengeräuschen in den anderen Parteien nicht. Die Grünen sind schon hart bestraft worden für ihre vielen Führungsfehler und das strukturimmanente Problem bei den Listenerstellungen. Jetzt gibt es für sie Zeit, eine grundlegende Reform der Strukturen anzugehen.

Buchhandlungstechnisch entwickelt sich die Buchabteilung hervorragend, das gewöhnliche Büromaterial ist als Markt nicht mehr vorhanden. Alles online. Nun, man wird sich 2018 an die neuen Nachfrageverhältnisse anpassen. Mich stört ja nicht, mehr Buch und mehr schöne Ware zu machen. :-)

Im großen und ganzen ein gelungenes Jahr. Viel gearbeitet, viel umgesetzt, viel Mut bewiesen, viele spannende Menschen kennengelernt und bewährte Beziehungen vertieft. Von allem viel.

Es ist wohl an der Zeit, dem Leben zu danken, das mich so reichlich mit Aufgaben beschenkt.

Und meine Zukunft? 2018 werden viele Weichen neu gestellt werden. Wir werden sehen welche und wohin die Reise geht. In meinem Kopf gibt es viele Ideen, viele Möglichkeiten, noch trage ich schwanger damit.

Na dann: auf ins Neue Jahr! PROSIT !
Tragen wir die Pläne gut aus und bringen sie lebensfähig in die Welt.

Eure/Ihre Herta Emmer
... immer voller Ideen ...


www.buchwelten.at

Florenz Tschinglbell. Christine Nöstlinger

Florenz Tschinglbell
Florenz Tschinglbell
Christine Nöstlinger
Nilpferd. 2016
 
 
Dieses Kinderbuch der von mir sehr verehrten Christine Nöstlinger habe ich nun schon über ein Jahr bei meinen gelesenen, noch zu besprechenden Büchern liegen.
 
Das Problem ist, ich habe die Geschichte nicht ganz richtig verstanden, wie ich meine. Und deshalb kann ich auch ganz schlecht erzählen, worum es geht.
 
Vordergründig war die Auswahl dieses Buches absichtsvoll. Als Tagesbuch für den 5. Dezember. Krampustag. Das Buch ist ja auch zum fürchten. Allein schon das Cover! Da haben alle spitze Zähne, schauen grimmig und gefährlich drein.
 
Und es liest sich - natürlich - sehr gut. Nur der Schluss. Als sie die Tür öffnet und da steht tatsächlich die Florenz Tschinglbell vor der Tür.
 
 
Ich müsste wohl ein Kind sein, um die Geschichte zu verstehen. Vielleicht kommt eines Tages ein Kind zu mir und erzählt mir die Geschichte noch einmal und dann verstehe ich sie.
 
 
 
Eure/Ihre
Herta Emmer
 
 
im online-shop der buchwelten ist das Buch zum Selberlesen prompt erhältlich.
und im analogen Geschäft, "echt" auch. www.buchwelten.at 

Samstag, 30. Dezember 2017

Zlateh die Geiss und andere Geschichten

Zlateh die Geiss
Zlateh die Geiss und andere Geschichten. Von Isaac Bashevis Singer. Mit Bildern von Maurice Sendak. Aladin. 2017

Ein Sammelband voller jüdischer Märchen / Erzählungen.

Wunderbar illustriert von Maurice Sendak.

Ich hatte bei einigen Geschichten gleich Bilder vor mir, wo und wem ich diese oder jene gerne vorlesen würde. Wie wir sie als Bild-Geschichten verwenden könnten, als Parabeln.

Ein großer Kunstschatz, ein wunderbares Buch, schön, kunstvoll, kunstsinnig. Durchsichtig und humorvoll. Jüdisch.

Danke, dass Isaac Bashevis Singer einige Geschichten gerettet hat, indem er sie aufgeschrieben und veröffentlicht hat. Singer erhielt 1978 den Nobelpreis für Literatur.

Allein das Vorwort ist schon so fein, so tiefgründig und liebevoll, dass es für eine Einführung in ein Geschichtenschreib-Seminar geeignet wäre. Oder einfach zum Nachher dasitzen und nachwirken lassen.

Diesen Sonderband wird es nicht ewig geben. Deshalb: Sofort kaufen und ins Bücherregal. Ein Buch für die Bibliothek.


Ihre / Eure Herta Emmer


buchwelten.at
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Samstag, 4. November 2017

Kämpfen. Von Karl Ove Knausgard

Kämpfen.
Von Karl Ove Knausgard
Luchterhand.

Das ist nun der sechste und letzte Teil der MINKAMP-Serie von Karl Ove Knausgard.

Mit dieser Serie - beginnend mit STERBEN - ist er zu meinen Lieblingsautoren aufgestiegen. Ich habe sie alle gelesen. Alle sechs Teile. Immer wenn der nächste Teil übersetzt war, habe ich sämtliche Romane zur Seite gelegt und Karl Ove Knausgard vorgezogen. Zu recht. Denn er ist ein außergewöhnlich guter Erzähler.

Kämpfen war dann schon eine Aufgabe 1267 Seiten. Überhaupt das Jahr 2016 und das Jahr 2017: Lauter solche Schmöker. Wer soll das alles lesen! Und wann!

Gut. Man selektiert. Frau auch. Wenn ich gewusst hätte, dass Knausgard 400 Seiten Hitler widment, ich hätte das Buch vielleicht nicht gelesen. ... man hat doch eh schon alles. und überhaupt. und mühsam. und nicht schon wieder ...  .

Aber seine Zugangsweise, immer in dieser radikal subjektiven Position verbleibend, das kann was. Seine Behandlung des Schmerzes, der erzwungenen Namenlosigkeit seines Vaters, der Zugang über die Lyrik, und dann die Weiterleitung in die Bedeutung der Namenlosigkeit. Was heißt es, wenn wir nicht benannt sind. Gibt es uns dann? oder nicht? Und die Überleitung in die strukturierte Auslöschung vieler Menschen und ihrer Namen. Ihrer Geschichten.

Knausgard hatte sich ja auch intensiv mit dem Täter von  Oslo und Utøya,, Breivik, auseinandergesetzt. Er las "Mein Kampf" im Original (in seiner eigenen Sprache natürlich, deutsch kann er ja nicht); er denkt intensiv über die Herkunft des Bösen nach. Ihn beschäftigt, wie ein Mensch, geboren, Baby, Kind, sich zu einem herzlosen, brutalen, menschenverachtenden Monster werden kann.

Sehr viel Tiefgang. Und dann wieder seine Familie, der Alltag. Die Seite, die wir von ihm kennen, was wir erwarten wenn wir die sechsteilige Serie lesen. Ihn. Sein Leben, seine Gedanken. Das durch diese subjektive Auseinandersetzung zum allgemeinen Manifest unserer Leben wird. Ein europäisches Leben im 21. Jahrhundert.

Lesen sie es im Urlaub.

Sie können auch die 400 Seiten über Hitler auslassen. Oder nur die 400 Seiten über ihn lesen und das Leben von Knausgard weglassen. Vielleicht wird der Mittelteil ja einmal als eigener Band gedruckt. Er wäre es wert.

Und dann treffen wir uns, und reden darüber. Über MIN KAMP, wie die Serie in Norwegen heißt.


Ihre
Herta Emmer

#lesen. immer. #hineinsinken. so oft es geht. #lernen. #wachsen

in den buchwelten kaufen. oder im buchwelten-onlineshop.

Hier die Besprechungen der anderen Teile


TRÄUMEN https://hertaemmer.blogspot.co.at/2016/01/traumen-von-karl-ove-knausgard.html
LEBEN https://hertaemmer.blogspot.co.at/2014/07/leben-von-karl-ove-knausgard.html
SPIELEN https://hertaemmer.blogspot.co.at/2013/12/spielen.html 
LIEBEN https://hertaemmer.blogspot.co.at/2012/04/lieben.html
STERBEN https://hertaemmer.blogspot.co.at/2012/01/sterben.html


Das Amerika der Seele https://hertaemmer.blogspot.co.at/2017/01/das-amerika-der-seele-karl-ove-knausgard.html

Sonntag, 1. Oktober 2017

Wählen und kämpfen

Heute ist der 1. Oktober 2017.
Tag der Gemeinderatswahlen im Burgenland.
2 Wochen vor der Nationalratswahl in Österreich.

Die Stimmung schaukelt sich auf. Alte Gräben werden wieder reaktiviert. Verschwörungstheorien geistern durch die Medien. Wahre und Ausgedachte.

Ich plane meinen Wahlkampfendspurt. Schreibe inhaltliche Papiere, versende sie an Medien. Es überrascht schon, wie viel an Inhalt und Meinung da ist, wenn man nur Jahre beobachtet hat. Genau hinschauen, zuhören, aufmerksam sein.

Was mir aufgefallen ist, ich oftmals nur in Stimmungslagen und Eindrücken wahrgenommen habe, wird jetzt, bei Faktenrecherche bestätigt.

  • Digitalisierung als DAS Thema. ... spielt in österreichs Politik keine Rolle 
  • Zuzug in die Ballungszentren, dadurch Ausdünnung des Landes .... spielt im Wahlkampf gar keine Rolle. Dabei sieht das jede/r!
  • Änderung im Arbeitsverhalten der nächsten Generation. ... die offizielle Politik ist damit beschäftigt, "Förderung" für Arbeitnehmer plus 50 zu propagieren --> für Gemeinden gedacht  Aktion 20.000 --> Die Hälfte der DG-Beiträge... typisch Industrieförderung, weil, wer hat schon Zeit und Personal einen aws-Antrag zu machen?
  • Stattdessen: Bürokratie, Zettelwirtschaft, Misstrauen seitens der Behörden, Umständlichkeit, neue Auflagen, Regelungen, immer enger zieht sich das Korsett der Vorschriften. Als ob man alles auf dieser Welt absichern und kontrollieren könnte. Es schränkt nur uns, die Kleinen da unten, ein.

Mit den Lösungen des 20. Jahrhunderts werden wir das 21. nicht bewerkstelligen.

So, jetzt schicke ich den Plan der Veranstaltungen raus.

Inhalte und Lösungen. Vorschläge, Ideen, Kreativität. Mal sehen, ob das ankommt.


Am Dienstag um 11.30 Pilzgespräche zu LANDFLUCHT IST WEIBLICH.
Hotel Ohr, Eisenstadt
Offenes Plattformgespräch.

Maria Stern, Herta Emmer und Michaela Rauschka.

Das mittlere und südliche Burgenland und Teile der Steiermark sind von starker Abwanderung gekennzeichnet. Vor allem zieht es junge Frauen weg: Auf der Suche nach Ausbildung und Berufschancen siedeln sie ab und kommen oft nicht mehr zurück. Fehlende Arbeitsplätze, lange Arbeitswege, mangelnde Kinderbetreuung in der Heimatregion lassen den urbanen Raum attraktiver erscheinen. In der Folge dünnt das Land noch mehr aus. Die Landflucht ist weiblich  (Ö1. Journal Panorama 19.9.17)

Alle wissen es: wir haben Lösungen.
Wir laden zum Gespräch.












Sonntag, 24. September 2017

Lesen hilft. Immer.

 Lesen hilft. Immer.

Das steht auf einer Kette, die ich bekommen habe. Weil sie so zu mir passt. Ich finde ja, weil das immer passt.

Lesen ist kein Selbstzweck. Eine Kulturtechnik zu beherrschen, nur so.

Das macht wenig Sinn. Es geht darum, zu erkennen, warum man lesen kann (können muss).

Weil man eintauchen kann in andere Menschen, andere Gefühle. In Geschichten, die man selbst nie erlebt hat und auch nicht erleben wird. Weil sie in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort spielen.


Und die Neugier? Ich will die Welt erfahren. Fragen tauchen in mir auf. Ich will sie auflösen.
Ein Buch hilft. Eine Zeitung. Eine Zeitschrift. Eine Meldung auf facebook.
Und was ich gar noch nicht wusste? Ich erfahre Dinge, von denen ich keine Ahnung hatte. Ich bilde mir einen kritischen Geist heraus. Diskutiere mit anderen.

Lesen hilft.
Wenn ich etwas noch nicht weiß.
Wenn ich mehr wissen will.
Wenn ich traurig bin, verlassen, liebesbedürftig.

Wenn ich die Welt draußen lassen will.
Wenn ich glücklich, lustig, blitzend bin
Wenn ich die Welt herein lassen will.

Lesen hilft.
An den regnerischen Tagen. An den Tagen, an denen es zu heiß für irgendwas ist. An den kalten Wintertagen. In den Nächten.

Wenn ich mir unsicher bin. Wenn ich mir ganz sicher bin. Wenn ich eine Lösung suche. Wenn ich in meinem Problem versinken will.

Lesen hilft.
Wenn ich an der Welt teilnehmen will. Wenn ich nicht an der Welt teilnehmen will.

Lesen hilft immer.









Ein guter Mensch. Von Jürgen Bauer.

Ein guter Mensch
Ein guter Mensch
Jürgen Bauer
Verlag Picus.

Jürgen Bauer beschreibt in seiner Dystopie einen Mann, der sich bereit erklärt hat, als Wassertankfahrer anderen Menschen zu helfen.

Wir leben in Mitteleuropa. Es hat seit ewigen Zeiten nicht mehr geregnet. Selbst jetzt, im Frühling ist die Erde schon ausgetrocknet. Nur zeitweise kommt Wasser aus der Leitung, dann ist es aber grauslich und braun und stinkt.

Wasser sparen ist das Gebot der Stunde.

Die Lokale haben geschlossen, da sie das Geschirr nicht mehr abwaschen können. Auf den Wiesen sitzen arme Menschen, sie nennen sie "Die Durstigen". An der Stadtgrenze, eingepfercht in Lager die Hitzeflüchtlinge. Ihnen bringt er Wasserrationen.

Die Welt steht vor dem Kollaps. Die Reichen haben sich schon in die Berge oder in den Norden abgesetzt. Nur wenige sind da geblieben. Er zum Beispiel. Er findet, es können doch nicht alle einfach weggehen. Man muss doch auch vor Ort etwas tun.

Und er benimmt sich so, wie es erwartet wird. Er gibt niemandem, der sich nicht regelkonform an der Wasserausgabestelle angestellt hat. Auch nicht, wenn diese alte Frau kollabiert. Was soll er tun. Er hat seine Vorschriften. Und die sind streng.

Seine geliebt Frau ist weggegangen. Darüber kommt er nicht hinweg. Er folgt ihr auch nicht. Immerhin hilft sie ihrer Familie im Süden. Wer geht schon in den Süden? Waldbrände, noch größere Armut, noch weniger Wasser. Man hört auch von wilden Horden, die raubend und mordend durch die Gegenden ziehen.

Abends treffen sich die letzten Freunde abseits der Stadt. Man kennt sich schon lange. Jeder in seiner Welt gefangen. Darf man Hoffnung schöpfen?

Eine Gegenbewegung schürt Unruhe in diese schlimmen Zeiten. Sie verbrauchen Wasser! Sie schwimmen, sie schütten wertvolles Trinkwasser aus, sie demonstrieren. Sein Freund schließt sich auch diesen Wahnsinnigen an. Ganz irre wirkt er schon. Oder ist es die Hitze?

Er wirft seine letzte Blume weg.


Jürgen Bauer schreibt einen flüssig zu lesenden Roman über eine Möglichkeit der Zukunft, die nicht so weit weg erscheint. (Brände in Südeuropa, Wasserrationierung in Rom, ...)

Aber was er noch in diesen Roman legt ist die Frage: ist Wasser tatsächlich knapp oder verdienen da einige wenige an der Not von vielen? Stimmt es, was die Wahnsinnigen sagen? Und ist die Selbstgerechtigkeit des guten Menschen berechtigt?

Sehr lesbar ab 15. Das ist ein Roman für Erwachsene!

Ich habe ihn gelesen, als er gerade ganz heiß war. Im Sommer. Passte sehr gut. Not der Menschen gepaart mit autoritären Verbrechensregimes, begleitet von korrupten Mitläufern. Schöne Aussichten.


Ihre Herta Emmer

im buchwelten online-shop erhältlich. Und natürlich in der Buchhandlung selbst! :-)


Montag, 11. September 2017

Chikago. Von Theodora Bauer

Chikago
Chikago.
Von Theodora Bauer
Roman. Verlag Picus

Nun. Ja! Ich habe schon öfter Theodora Bauer zugehört, wie sie aus ihrem Buch "Chikago" vorgelesen hat. Ja! Ich habe auch schon kurz reingelesen gehabt. Beim Büchertisch.
Ja! Ich gestehe. Nicht mehr.

Bis jetzt.

Am Wochenende. Auch eine Buchhändlerin im Schulbuchbeginnstresswahnsinn braucht Phasen der Kontemplation. Man zwingt sich zum Nichtstun. Weil. eh schon wissen. Man muss auch einmal ein bißchen eine Ruhe geben. Also was tun. Rauf auf die Couch, rein in die Decken und Pölster. Sehnsüchtig, lüstern schauen auf den Tisch. Dort der Stapel der "Die will ich noch lesen" - Bücher.

Ein Griff. Es ist Chikago. Buch aufgeschlagen.

Ja! Und dann war es um mich geschehen.
Dieser inständige Ton des Perfekt (Vergangenheitsform), diese undurchdringliche Einfachheit, ja Banalität des Landlebens, unterspickt mit einer Tiefgründigkeit, mit  eine Feinsinnigkeit und einem Einfühlungsvermögen, dass ich mich wundere, wie so ein junges Mädchen schon (Theodora) in diesem Alter sich so hineinversetzen kann. In diese Menschen, die vor langer Zeit.

Es hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Leider hat man auch noch ein Umfeld. Man muss auch einmal mit Familie reden, mit Hunden spazieren gehen, sich sozial verhalten. Danach wieder in die Geschichte hinein - und sonntags - endlich wieder: Couch, Decke, Pölster, Hund in der Kniekehle. Perfekte Lesehaltung.

Absinken, Versinken, Bilder, dann aus.


Also: ich würde es an Ihrer Stelle lesen.


Ihre Herta Emmer

buchwelten-online-shop
und in der Buchhandlung www.buchwelten.at

Freitag, 25. August 2017

Herta Emmer und Liste Peter Pilz

Nun ist es also öffentlich. Ich kandidiere auf der Liste Peter Pilz.

Einem intensiven August, einem turbulenten Juli, einem aufregenden Juni, einem überraschenden Mai folgend ist die Entscheidung gefallen.

Ja, ich bringe mich ein. Öffentlich. Für die normalen Leute, die jeden Tag ihren Alltag bestreiten, einer überbordenden Bürokratie ausgeliefert sind, deren Sorgen und Nöte zugedeckt und überschrien werden von ganz lauten populistischen Tönen. Am liebsten mit dem A-Thema.

Ja, ich engagiere mich. Das ist ein Teil meiner Persönlichkeit. Die Stimme erheben. Für Demokratie und Transparenz eintreten. Für die tatsächlichen gesellschaftlichen Veränderungen eine Plattform anbieten. Die da sind: Digitalisierung, Landflucht, 4. Lebensalter, und: BILDUNG!

Ja, ich werde für die KleinunternehmerInnen sprechen. Die Teil des gesellschaftlichen Alltags sind. Die im sozialen Gefüge ihrer Umgebung verankert sind. Die nicht mit Betriebsstandortverlegungen drohen können.

Ja, ich trete für Marktgerechtigkeit ein. Die Gesetze werden schärfer für die, die nicht groß sind und lockerer für die, die "den Politikern" zu mächtig erscheinen. Das darf nicht sein. Wir haben in den letzten Finanzkrisen, Spekulationskrisen, Bankenkrisen gesehen, dass all diese aus Gier verursachten Geldkatastrophen letztendlich von der Allgemeinheit aufgefangen wurden. Die Politik ist mächtig, mächtiger als Konzerne gerne möchten. Sie muss nur Mut fassen.

Ja, ich spreche mich für eine offene Gesellschaft freier Bürgerinnen und Bürger aus. Die Privatsphäre von uns allen muss gewahrt bleiben!

Ja, es geht!


In 60 Buchhandlungen durch Europa.

In 60 Buchhandlungen durch Europa.
Meine Reise zu den schönsten Bücherorten des Kontinents.
Von Torsten Woywod. Mit einem Vorwort von Benedict Wells.
Verlag Eden Books.

In 60 Buchhandlungen druch Europa.
Eine Liebserklärung an Buchhandlungen, an Bücher, an Leseräume.
Jedes Europäische Land wurde besucht, die schönsten Buchhandlungen ausgewählt, mit liebevollen Texten zur Intention der Buchhändler, ihrer Auswahl, ihren Motiven, ihrer Raumgestaltung versehen. - - > also auch ein LESEBUCH
nicht nur ein ANSCHAUBUCH

Und was mir noch ganz gut gefällt:
1.) man weiß ja eh nicht, wo man noch hinreisen möchte --> ein REISEBUCH!
2.) welche Autoren man noch nicht gelsen hat --> ein BUCHEMPFEHLUNGSBUCH!
3.) was man noch schenken könnte --> ein SCHENKEBUCH!

Wunderschön gemacht, tolle Oberfläche, viele Bilder der Buchhandlungen, empfehlungen zu den AutorInnen des Landes, zu Menschen in Buchhandlungen.

Ja, ein LIEBLINGSBUCH!

Eure Herta Emmer
die gerne noch mehr Fotos von schönen Buchhandlungen hätte

In den buchwelten gleich einmal besorgen buchwelten-onlineshop

Sonntag, 23. Juli 2017

Wo noch Licht brennt. Von Selim Özdogan

http://www.buchwelten.at/list?back=9deabaa06568f1ba9c6377fcaebf098f&xid=12284402
Wo noch Licht brennt.
von Selim Özdogan
Selim Özdogan
Haymon Verlag

Das ist die Geschichte von Gül.

Gül kommt zurück von der Türkei. Zurück zu ihrem Mann, der trotz Versprechen, auch Deutschland zu verlassen, viele Ausflüchte sucht, warum es "jetzt noch nicht" geht.

Auch ihre Kinder sind in Deutschland geblieben. Nur sie, die Tochter des Schmids, war allein zurückgegangen.

Nur: es freut sich niemand, dass sie wieder da ist. Sie kann bei ihrer Tochter wohnen, doch sie fühlt, dass sie eine Last ist. Ihr Mann, der gerade im Krankenhaus liegt, schreit sie an, was sie da tut! Die Wohnung zu klein und überhaupt.

Sie findet Anzeichen einer anderen Beziehung. Schluckt. Spricht es nie an. Sie wird hier bleiben. Bei ihrer Familie.

Sie kann nur schlecht Deutsch und geniert sich. Sie denkt an die ersten Zeiten in Deutschland zurück, als sie ihrem Mann gefolgt ist, die zwei kleinen Kinder bei ihrer Mutter gelassen hat. Das wird sie sich nie verzeihen. So war das eben, damals. Eine Frau folgt ihrem Mann.

Selim Özdogan (ein Mann) schreibt so eindrücklich und mit viel Feingefühl die inneren Monologe von Gül auf, dass ich zuerst geglaubt habe, Selim sei ein Frauenname.

Sie lernt einen jungen Burschen kennen. Die Treffen mit ihm hält sie geheim, als ob es unanständig wäre, ein Ersatzkind zu finden. Can lebt ein anderes leben als sie.

Ganze zitierwürdige Absätze. Wie zum Beispiel hier auf Seite 137. "Seine Wahrheiten und ihre Wahrheiten sind so verschieden, ... Jemand der jeden Tag Chilis isst, meint etwas anderes, wenn er scharf sagt, als jemand, der scharfe Sachen meidet.

  Gül kämpft mit sich, mit ihren Moralvorstellungen. Sie findet sich nicht ein, in diese neue Welt, die ihr fremd ist.

Ihr Mann - er lebt sein eigenes Leben. Sie ist nur lästig. Ihre Familie - ihre Familie zuhause in der Türkei - ihr so wichtig, entgleitet ihr. Sie bemerkt es erst nach dem Tod des Vaters. Sie hat wahrscheinlich idealisiert. Dass sich eine Familie überhaupt auseinanderleben kann. Undenkbar.


In diesem Roman, der wahrscheinlich der beste Roman des Jahres ist, entwickelt sich eine Frau aus ihren Beschränkungen heraus. Aber nicht freiwillig, sondern aus Not. Durch Zurückweisungen, Orientierung in der neuen Zeit, verändertem Umfeld.


Und sie geht hart um mit sich. Lässt "das Schlechte" nicht zu. Versucht, immer das Gute im anderen zu sehen. Scheitert, oder auch nicht.

Eine bemerkenswerte, feinsinnige Lebensgeschichte, die gerne gelesen werden möchte. In die man sich einfindet, umarmt.


Das ist ein Buch für Erwachsene.


Eure Herta Emmer

jetzt gleich in den buchwelten besorgen. buchwelten-onlineshop.

Montag, 17. Juli 2017

Das Ende von Eddy. Èdouard Louis.

Das Ende von Eddy.




Das Ende von Eddy.
Roman
Èdouard Louis
Fischer Taschenbuch.

In einer Zeitung, ich weiß nicht mehr in welcher, "Die Presse"?, las ich einen langen Artikel über den Autor, Èdouard Louis. Zu diesem Buch, und warum er es ewig, 10 Jahre? lang, nicht schaffte, einen Verlag für diesen Roman zu bekommen.

... Weil es diese soziale Schichte nicht mehr gibt
... Das interessiert niemanden
.... Vorgestrig

und als dann die Siege der Rechten kamen, da konnte er es plötzlich argumentieren. Diese Schichte gibt es. Diese Menschen leben in Frankreich (und überall in Europa, wie ich meine). Ihr seht sie nur nicht in euren Glaspalästen, in euren Innenstadtzirkeln. Ihr kommt mit denen nicht in Kontakt. Aber es gibt sie.

Das Ende von Eddy ist sehr autobiographisch. Edouard Louis beschreibt im Großen und Ganzen seine eigene Kindheit. Ein Kind von Fabriksarbeitern, Verkäuferinnen, Leuten, die mit 40 kaputt sind. Armut, Ärger gegen andere, Misstrauen gegen Bildung, Dauerfernsehen, schlechte Ernährung, das ganze Konvolut.

Und dazwischen der kleine schwule Eddy. Der das büßt. Das Schwulsein, das Anderssein, der durch alle Machtrituale der Kinder/Buben durchmuss. Wobei er der Schwächling ist. Seine Familie versucht redlich, ihn anzupassen, ihm Gutes zu tun. Die Schande zu verbergen. Doch es hilft nichts. Er ist einfach so, mit seiner hohen, schrillen Stimme, seiner übertriebenen Gestik. Schon von ganz klein auf.

Er zeigt die Sprachlosigkeit auf, oft in ganz markanten Zitaten, das Buch ist durchspickt mit Originalzitaten, mit direkter Rede, nur so kann er diesen Spiegel halten. Vorhalten, deutlich machen. Die rüde Sprache, der Dialekt, aber auch der Komplex, sich nicht helfen zu können.

Für mich ein durchaus aufdeckerisches Buch. Vieles ist mir nicht fremd, bin ich doch auch ein Kind vom Land. Beobachtend, wie ich als Kind war, habe ich solche Typen gesehen. Als Mädchen war ich nicht Teil dieser Männermachtbünde. Aber gesehen.

Édouard Louis kann diese Schichte aufzeigen, ohne sie vorzuführen. Ein Sachbericht. In Romanform

Eddy endet irgendwann. Und wird Édouard.
Manchmal passt jemand nicht in seine Familie. Manchmal muss jemand ausreißen.

Das kann jede/r lesen.
Die, die jung sind.
Die, die alt sind.
Die, die vom Land kommen.
Die, die in der Stadt leben.
Die, die verstehen wollen.

Jetzt gleich lesen. Das Ende von Eddy.
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 Seite 73. "... Meine Eltern konnten sich keinen Teppichboden leisten, und so wollten sie auch keinen. Die Unmöglichkeit, es zu tun, verhinderte die Möglichkeit, es zu wollen, was wiederum das Mögliche verhinderte."


 Seite 194. Als es zum Aufnahmetest am Gymnasium geht. Der Vater. "Ich will nicht, dass du dich vor den anderen schämen musst und anders dastehst als sie, mit weniger Geld. ... , ich will nicht, dass du anders dastehst als die anderen."
 Seite 195. "... Vor allem, pass bloß auf, in der Stadt ist alles voller Araber. Wenn dich einer anschaut, schaust du weg, ..."

Das Buch hat sehr treffende Kapitelüberschriften, wo er versucht, seine Familienmitglieder vorzustellen. In verschiedenen Situationen, aus eigenem Blickwinkel, aus seinem Blickwinkel. Eine Aufzählung von Familienszenen und -geschichten.

Dienstag, 23. Mai 2017

Der Lärm der Zeit. Von Julian Barnes

Der Lärm der Zeit
Julian  Barnes
Der Lärm der Zeit.
Roman
Kiepenheuer & Witsch


Julian Barnes, den ich schon bei "Vom Ende einer Geschichte" sehr lieben gelernt habe, schreibt nun über Schostakowitsch. Zu Schostakowitsch bin ich über das Buch "Der Dirigent" von Sarah Quigley gekommen, was mich dazu bewegt hat, mir die CD der Leningrader Symphonie zu besorgen und sie immer wieder zu hören.

Nun. Schostakowitsch. Nun. Julian Barnes.
Muss hervorragend sein.

Was es auch ist.

Schostakowitsch steht im Flur und wartet. Dass er abgeholt wird. Von den Schergen. Er steht da, mit seinem Koffer, und wartet auf den Aufzug. Er will nicht, dass sie ihn im Pyjama aus dem Bett zerren, vor Frau und Kind. Deshalb gibt er sich vernünftig. "Ein Mann, der mit einem Koffer in der Hand das Haus verlässt, kommt zurück, einer, der im Pyjama aus dem Bett gezerrt wird, nicht." Das tröstet.

Julian Barnes lässt vieles anklingen. Was es bedeutet, in einem totalitären Staat zu leben. Darf man Kunst machen? Darf man sich anpassen? Wie geht leben?

Was macht das nächtliche Warten auf die Verschleppung aus jemandem? Wie umgehen mit der Angst? Um sich, um seine Frau, um sein Kind?

Julian Barnes schafft es in einer sehr dichten Erzählung, anhand des Beispiels Schostakowitsch sehr eindringlich zu zeichnen, was eine Dikatur aus den Menschen macht. Wie sie sich verändern, anpassen, um zu überleben.

Und die Frage der Nachkommen. Dürfen sie das? Darf man sich beugen, und was bedeutet es, es nicht zu tun? Wer richtet?

Dazu ist das Buch gespickt mit Sätzen, Zitaten, Textzeilen, die man sich rausschreiben, an die Wand pinnen, ständig zitieren möchte. So einfach, so viel aussagen.

Seite 72. "Das war eine der fragen, die ihm im Kopf herumgingen: War es mutig, dass er dort stand und auf sie wartete, oder war es feige? Oder keins von beidem - nur vernünftig? Er rechnete nicht damit, die Antwort zu finden."
Seite 69. " Vor ganz kurzer Zeit noch hatte er die Unverwüstlichkeit der Jugend in sich gespürt. Mehr noch - die Unkorrumpierbarkeit der Jugend. Und darüber hinaus, oder allem zugrunde liegend, eine Überzeugung von der Richtigkeit und Wahrheit allen Talents, das er besitzen mochte, und aller Musik, die er geschrieben hatte. Das alles war in keiner Weise entkräftet worden. Es war jetzt nur völlig ohne Belang."
 Seite 240. Die Geschichte vom Säufer.
 Seite 240. "... aber mittendrin, darüber und darunter und durch alles hindurch hatte Dmitri Dmitrijewitsch einen perfekten Dreiklang gehört. ..."
Seite 159. "... Vielleicht war es mit dem Mut wie mit der Schönheit. Eine schöne Frau wird alt: Sie sieht nur, was nicht mehr ist, andere sehen nur, was geblieben ist. ... Er sah nur, was nicht mehr war."
 Seite 176 und 177. "... Wie leicht war es, Kommunist zu sein, wenn man nicht im Kommunismus lebte!"

Das erinnert mich an die Abstimmung der Auslandstürken für die Machtausweitung Erdogans.
 Seite 179. über Strawinsky "... Nun, vielleicht beantwortete das seine Frage über  persönliche Ehrlichkeit und künstlerische Ehrlichkeit; wenn es an der einen fehlte, musste es nicht an der anderen mangeln."
 Seite 184/185. über einen, der nicht weggehen wollte. ".... Na, dann, wollen wir mal, wie der Papagei zu der Katze sagt, die ihn am Schwanz die Treppe runterzieht." *sic!*












Nun, die Begeisterung kennt keine Grenzen. Ein Lehrbuch.

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Montag, 1. Mai 2017

Fürsorge.

Anke Stelling. Fürsorge

Fürsorge.
von Anke Stelling
Roman
Verbrecher Verlag 2017

Dieses Buch ist mir empfohlen worden. Ich hätte es so nicht eingekauft, auch nicht gelesen. Eine harte Geschichte über Egoismus. Das Cover zeigt Hanteln.

Aber die Frau, die mir die Geschichte erzählt hat, bei der Schulung "Neuerscheinungen der Belletristik" für Bibliothekarinnen, wo ich mit dem Büchertisch und selbst anwesend bin. Dort ist mir das Buch aufgefallen. Und es hat mich nicht mehr los gelassen.

loslassen
losgelassen
verlassen
gehen lassen

Diese Worte passen sehr gut zu dem Buch. Die junge Balletthoffnung wird schwanger. Natürlich kann man die Betreuung und das Säugen eines Babys diesem Körper nicht antun. Das Baby bleibt bei der Oma.

Die erfolgreiche Tänzerin. Wir erleben sie, als sie 36 ist. Sie ist mit einem jungen Dichter liiert, finanziert ihn. Ihre Gelenke sind kaputt. Eine Nachbarin erzählt über sie. Die Göttliche, Die Perfekte, Die langen unendlich langen, blonden Haare, die Frau, die nichts isst, die körperlichen Schmerz als Ansporn empfindet, ein Vorbild in ihrer Konsequenz.

Die Nachbarin ist schwaner, hochschwanger, mag man sich mit diesem Körper neben die zarte Perfektion setzen? Wer ist man? Und dann erzählt der Liebhaber der Ballerina, sie sei Mutter eines 16jährigen Sohnes. Niemand kann sich vorstellen, dass diese Zierlichkeit...

Die Ballerina. Taucht dann im Plattenbau der Mutter auf. Ein Fremder öffnet die Tür. Das ist wohl ihr Sohn. Ein wunderschöner Mann, spricht über seinen Körper, wie sie auch. Krafttraining. Durchhaltevermögen. Wie ähnlich sie sich sind. Diese Anziehung.

Die Mutter/Großmutter. Funktioniert. Fragt nicht. Hinterfragt nicht. Sie tut, was zu tun ist. Das war schon immer so (Ich erinnere mich an die Großmutter aus "Die schärfsten Gerichte der tartartischen Küche" von Alina Bronsky). Eine Ostgeschichte. Menschen, im Totalitarismus erzogen.

Die Ballerina und der Krafttrainer - Anziehung. Er schäumt vor Testosteron, sie verliert sich in Sehnsucht, körperlich. Ganz klar, sie ist immer körperlich, sie reagiert. Auf ihn.

Ja. Körperliche Anziehung zwischen Mutter und Kind. 16 Jahre zu spät. Hier ist keine Unschuld in der unbedingten Liebe.

Er will, dass sie wieder weggeht, sein Leben verlässt. Sie steigt in den Zug. Zurück nach Berlin. Ihr Leben ist verändert. Sie spürt in sich.



*
Dieses Buch ist so stark, Anke Stelling hat einen so dichten TExt geschrieben, der uns verwirrt, der den Körperkult aufzeigt, den Egoismus der dadurch bedingt ist, Nur ICH. Sie, die Ballerina, nur sie.

Ein außerordentlich zeitgemäßer Roman. Überschreitet alle Grenzen. Der Scham, Der Regelhaftigkeit, des Schutzes. Was ist dann dieses neue Leben?

*

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Erkenntnis

Heute ist mir wieder aufgefallen.

Je älter ich werde, desto mehr erkenne ich, wie wenig ich weiß.






Montag, 17. April 2017

Das merkwürdige Verhalten von Schipansen in Kinderkleidung. Felicitas Auersperg

Das merkwürdige Verhalten von Schimpansen in Kinderkleidung
und andere sozialpsychologische Experimente.

Felicitas Auersperg
Orac 2017,Verlag Kremayr & Scheriau

Ein gewisses Faible für (sozial-)psychologie kann ich ja nicht abstreiten. So ist mir dieses Buch natürlich gleich aufgefallen, als es im Neuerscheinungskatalog des Verlages aufgeschienen ist. Und: die Autorin möchte auch gerne das Buch persönlich vorstellen. Neugier geweckt, Buch bestellt, Nachkastl (der übliche Weg), in Ruhe im Bett, Lampe, Ruhe, geöffnet.

Das ist immer so ein schöner Augenblick, wenn man ein Buch zum ersten Mal öffnet. Eine gewisse Anspannung kann ich nicht leugnen, eine Vorfreude auf "was da kommt".

Witzig!
Kurzweilig!
Interessant!

Felicitas Auersperg präsentiert die berühmtesten Experimente der letzten 50 Jahre mit all ihren Ergebnissen, Erkenntnissen, und dann wird die Frage beantwortet: Was ist der Sinn des Experiments. Was haben wir daraus gelernt.

Wirklich erkenntnisreich, auch für Leute, die das Sachgebiet schon gelernt haben. Ein neuer Blickwinkel, eine lesbare Sprache, kein Lehrbuch.
Und für alle diejenigen, die diese Erkenntnisse vom Hörensagen kennen, vieles ist ja in unseren Alltag eingeflossen, einmal zu erfahren, wie es wirklich war.

Ich liebe es. Ich lese es, kapitelweise, zwischendurch, durcheinander, immer wieder.
Auch der Zufall der Auswahl ergibt ein Schmunzeln. Warum heute gerade dieses Experiment erwischt wurde? ....

Ja, ein Buch für alle, die manches gerne genauer wissen wollen.

(und sich dabei nicht tödlich langweilen...)


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Greif nach den Sternen, Schwester! von Latifa Nabizada

"Greif nach den Sternen, Schwester!"
Mein Kampf gegen die Taliban.

von Latifa Nabizada
und Andrea Claudia Hoffmann.

Verlag Knaur.

Das Buch kannte ich schon. Voriges Jahr ist es in meiner Buchhandlung gelegen. Eine der vielen Neuerscheinungen anläßlich der Flüchtlingsbewegungen. Ein großer Teil der Sachbuchabteilung galt diesem Thema. So erging es diesem Buch wie vielen anderen auch. Im Überfluss übersehen.

Dann - vorige Woche - sah ich einen Beitrag im ORF. Latifa Nabizada, die erste Pílotin Afghanistans. Sie saß dort, im Literaturhaus Wien, und sprach über sich. Mir fiel sofort das Buch ein, die ist in Wien?!?!?!

Die Frau hat eine sehr starke Ausstrahlung. Jetzt musste sie also doch weg. Sie hat in Wien Asyl. Sie tritt öffentlich auf. Ich muss sie kennenlernen!

Zuerst aber das Buch. Gleich am Montag besorgte ich es mir - sitze ich doch an der Quelle - das geht in einem Tag. Dazwischen die Karwoche. Viele Vorbereitungen, Aktionen, Osterbasteln, handlettering, Wochenabschluss. Aber dann. Karsamstag. Buch öffnen.

Um den Schluss gleich vorwegzunehmen. Ich habe es noch in der Samstagnacht fertig gelesen. Am Nachmittag nur kurz begonnen, sofort erkannt, das zieht, das ist urspannend. Dann Verpflichtungen. Aber schon früh ins Bett, Buch aufgeschlagen - und nicht mehr aufgehört. Wachest gelesen. Aufgesaugt, erschüttert, die Namen der Städte merkend.

Besonders interessant ist es, weil jetzt gerade eine große Bombe von den Amis an einem Ort niedergegangen ist, von dem sie schon in ihrem Buch erzählt. Sie war Kampffliegerin. Auch spricht sie von Städten, von denen mir schon meine afghanische Flüchtlingsfamilie erzählt hat, von der Brutalität der Taliband. Was Kinder sehen müssen.

Latifa Nabizada ist 1971 in Afghanistan geboren. Sie kennt das Land nur unter Besatzung, nur kriegerisch. ein Satz:"Frieden gibt es für uns immer nur ganz kurz."

An ihrer persönlichen Geschichte bilden sich die letzten 40 Jahre in Afghanistan ab. Zuerst russische Besatzung - was ihr doch den Besuch der Pilotenschule ermöglicht. Zwar sehr schwer und mit schier unüberwindlichen Hindernissen gespickt, aber doch.

Leistung, Leistung, Leistung. Sich beweisen, niemanden enttäuschen. Und das Glück zu fliegeln. So früh schon zu wissen, was man will. Und es schaffen. Diese Frau hat einen sehr starken Willen. Ein Leben voller Schwierigkeiten, Krieg, die wahnsinnigen Taliban-Kämpfer. Die innige Beziehung zur Schwester. Es war ja zwei Pilotinnen. Latifa und Lailuma.

Das Buch ein einziger Schrei nach Freiheit. Nach Selbstbestimmung.

Latifa Nabizada. Ich will sie persönlich kennenlernen, ich will sie hören, möchte ihre Ausstrahlung wahrnehmen.

Das Buch kann jetzt gleich gelesen werden. buchwelten online-shop.
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Sonntag, 9. April 2017

Löwen in der Einöde. Daniel Wisser

Löwen in der Einöde.
Daniel Wisser.
Verlag Jung und Jung.

Vorigen Samstag - Nachmittag, 13.00 Uhr. Ich noch in der Buchhandlung. Welches Buch mitnehmen? Schnell! Immerhin ist um 15.00 Uhr Termin und die Zeit knapp. Morgen, Sonntag, terminfrei!!!!!
Buch! Jetzt!

Die Panik beruhigt sich, als ich Daniel Wissers "Löwen in der Einöde" in der Hand halte. Ja. Das wird es sein.

Vorigen Sonntag, 2.4.2017. Herta terminfrei zu Hause. Müde und erschöpft von der Jahresabschlusswoche. Wir haben inventiert. Was heißt zählen, nehmen, zurückstellen, aufschreiben, ansagen, ankreuzeln. Und das bei den 1000000 Produkten. Von Buch über Schreibgeräte zu Papierwaren, Spielzeug, Gimmix, Mitnahmeartikel, Schulware, Nachfüller aller Arten. Billets, die in die 1000e gehen.

Also Sonntag. Ruhe. Buch nehmen. Aufmachen. Lesen. Genuss.

Und welcher! Daniel Wisser hat ein Meisterstück geliefert! Über Daniel Braun, den Loser der Nation. Der andere Daniel Brauns sucht, wer heißt noch so? Der geträumt hat, als Kind. Und jetzt nicht mehr. Oder dauernd. Frauen. Sehr kompliziert. Beziehungen und Nebenbeziehungen. Stress. Und dann. Daniel! Braun! Welch ein Name. Auch noch die Mutter. Immer einer, der sich duckt.

Und dann kommt sein großer Augenblick. Seine Heldentat! Die Rettung seiner ewigen Sehnsucht!

Fehlalarm.

Das Buch ist so genial geschrieben, man kommt einfach nicht raus. So ist es jetzt gerade in Wien. So leben wir jetzt in der westlichen Welt. Das sind wir. Jeder in seiner persönlichen Individualität gefangen.

Ich wünsche mir Daniel Wisser live. Mal sehen, wann das klappt. Ich werde informieren.

Jetzt gleich bestelleln im buchwelten online-shop

Lesen und besprechen! Mitteilen, wollen wir es reflektieren? Wie wäre das? Beim Treffpunkt #Literaturkreis etwa? Das wäre doch was.


Eure/Ihre
Herta Emmer

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Der Mann, der Luft zum Frühstück aß. Radek Knapp


Der Mann, der Luft zum Frühstück aß.
Radek Knapp
Verlag Deuticke.

Radek Knapp, ein Schelm. Ein Autor mit Augenzwinkern, der uns kurz zulächelt und die Dinge so sagt, dass wir uns ertappt fühlen. Einer, der unsere ureigensten Wünsche kennt, die böswilligen - ungesagten - Beschimpfungen der anderen, die Träume vom perfekten Leben.

Und in diesem Büchlein beschreibt er das Leben eines kleinen Polenbuben, der von seiner Mutter nach Wien gebracht wird, um Deutsch zu lernen. "Dabei spricht man in Wien gar nicht Deutsch", lässt er ihn sagen.

Ein Buch zum laut Auflachen, Schmunzeln, mit feinem Sinn für unsere Realitäten sticht er mit dünnen Nadeln in uns hinein, so dass es mehr kitzelt als schmerzt.

In einem Zug durchgelesen, Teile vorgelesen, wieder gelesen, egal wo man es aufschlägt, eine Sammlung von Bonmots

Sehr sehr gute Lektüre über Wien, die Jugend und die Gesellschaft im 21. Jahrhundert.

Sofort kaufen, lesen und Radek Knapp am 18.6.17 bei #grenzenloslesen live erleben!

Das zahlt sich aus!buchwelten online-shop

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Übrigens, Radek Knapps Buch Reise nach Kalino ist ein Geheimtipp!

Ich habe das Buch 2013 gelesen und besprochen

Unterm Bett liegt ein Skelett. Arne Rautenberg

Unterm Bett liegt ein Skelett.
Arne Rautenberg.
Peter Hammer Verlag. 2016

Gedichte cool, Zeichnungen genial.

Den Illustrationen von Nadja Budde muss man sich näheren. Dann erkennt man die Genialität in ihnen. Mittlerweile bin ich ein großer Fan ihrer Bücher. Hier in Kombination mit den Gruselgedichten von Anne Rautenberg.

Ein Must! für Kinder ab 8. Es gruselt wirklich.


Gut zum Auswendig-Lernen, erschrecken und verschrecken. Wortspiele der feinen Klasse.

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Unsere Seelen bei Nacht. Kent Haruf

Unsere Seelen bei Nacht.
Kent Haruf.
Diogenes.

Lange Zeit schon habe ich kein so berührendes Buch gelesen. Eine Frau, 70, klopft bei der Tür ihres Nachbarn, ersucht, eingelassen zu werden, und eröffnet ein ungewöhnliches Angebot: wenn er möchte, sie würde sich sehr freuen, könne er jede Nacht bei ihr übernachten. Die Nächte seien das Schlimmste, wenn man so allein ist.

Er, 70, .... ?!

Er packt sich dann zusammen, Zahnbürste, Pyjama. Und kommt zu ihr. Sie liegen im Bett, schauen an die Decke, wie ist das? So nach vielen Jahren des Witwen/Witwerdaseins neben jemandem zu liegen?

Alles ein bißchen - peinlich? Komisch jedenfalls.

Daraus entwickelt sich eine zuerst verborgene, dann öffentliche Beziehung.

Dürfen die das? In diesem Alter? Was sagen die Kinder dazu? Skandal!?

Kent Haruf beschreibt in diesem Roman in einer ganz einfachen, alltäglichen Sprache, genau das. Zwei Alleinstehende, die sich annähern. Langsam, nebenbei, wächst ein zartes Pflänzchen der Vertrautheit, der Annäherung.

Dieses Buch hat mich ganz in seinen Bann gezogen, ich habe es auch gleich beim #Literaturkreis vorgestellt, der Anfang - vorgelesen - beeindruckend.


Nehmen. Lesen. Versinken.
Ärgern. Schmunzeln.

Ihre/Eure
Herta Emmer

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